Roadtrip Bosnien Herzegowina Juni 2024
- Reisefee
- 9. Juli 2024
- 8 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 10. Juli 2024
Bosnien?
Ein Land am Balkan,
Sarajewo, die Stadt in der der österreichische Thronfolger ermordet wurde,
die Brücke von Mostar, die im Balkankrieg zerstört wurde,
das sind wohl bei vielen die ersten Assoziationen, wenn man von diesem Land spricht.
Doch das kleine Land mit seinen grünen Bergen, einem Mix aus Kulturen und Religionen, sozialistischem Erbe und überaus herzlichen Menschen hat noch sehr viel mehr zu bieten und ist - vor allem - ein Paradies für Camper!

Wir bereisen dieses Land in einem 9-tägigen Roadtrip.
Schon die Vorbereitung ist anders als bei so manch anderer Reise. Es gibt - bis auf eine einzige Ausnahme- keine Reiseliteratur. Danke an Ricardo, der uns seinen brandneuen Reiseführer noch rechtzeitig zukommen ließ, der wertvolle Tipps zu dem Land und Stellplätzen und mehr liefert.
Über Kroatien überqueren wir bei Bihac die bosnische Grenze mit einem kurzen Grenzaufenthalt, einer Passkontrolle, wie sie zu einenm Nicht- Schengenland üblich ist.
Da es schon Abend ist, entschließen wir uns für einen Übernachtungsplatz in Grenznähe. Nach dem Geldwechsel und dem Kauf von Telefon-SIM- Karten steuern wir das
Kamp Klokot an. Eine etwas abenteuerliche Anfahrt über kleine Straßen und die letzten paar hundert Meter off-road erreichen wir den Platz.
Der Blick auf den kleinen Fluss hat etwas Mystisches. In der Abenddämmerung legen sich Nebelschleier über das Wasser. Was für eine einmalige Szenerie!


Der Klokot wird als einer der saubersten Flüsse Europas bezeichnet und hat eine Wassertemperatur von rund 7(!) Grad.
Bei einer Außentemperatur von weit über 30 Grad entsteht morgens und abends diese grandiose Stimmung. Und direkt am Fluss fühlt man auch die abstrahlende Kühle des Flusses in einer natürlichen Klimaanlage.
Nur ein schlichtes Holzhaus - Dusche und Wc können genützt werden, - eine Plattform im Wasser und ein Boot, mehr an Infatruktur gibt es hier nicht, dafür viel Natur pur!!!
Der Betreiber Hussein pflegt nicht nur den Platz, er macht mit uns auch eine Bootsfahrt und grillt am Abend für uns frische Forellen. Besser kann unser Roadtrip nicht starten!
Durch Bihac, das durch seine Moscheen und die unübersehbaren Minarette ungewohnt orientalisch wirkt, geht es zur Una und weiter in den gleichnamigen Nationalpark.
Die Una ist über weite Strecken der Grenzfluss zu Kroatien und eine Schönheit für sich.
Ganz anders als bei den (Plitvicer) Wasserfällen auf kroatischen Seite geht es hier weitaus untouristischer zu. Kleine, private Camps entlang des Flusses laden hier zum Verweilen ein. Die Straßen werden enger, die letzten Kilometer ist es nur mehr eine Schotterstraße. Dann erreichen wir
Strbacki Buk.

Der imposante, weil nicht nur fast 25 Meter hohe, sondern auch sehr breite Wasserfall ist auf Holzstegen gut zu begehen und bietet herrliche Ausblicke auf das herabdonnernde Wasser.
Entlang der Una gelangen wir weiter nach Martin Brod, einem weiteren Highlight des Nationalparks.
Die Wasserfälle hier sind nicht so mächtig wie Strbacki Buk, aber von unvergleichlicher Schönheit.
Wir können auch eine der alten Mühlen besuchen. Das Wasser läuft hier neben und durch die Häuser und die findigen Menschen nutzen sie bis heute nicht nur als Getreidemühle sondern auch als natürliche Waschmaschinen!
Zwischen den Wasserfällen befindet sich das serbisch-orthodoxe Kloster Rmanj, dessen Wurzeln bis ins 15.Jahrhundert zurückreichen und das derzeit aufwendig renoviert wird.

Sowohl die auch nach dem Krieg immer wieder aufflammenden Grenzkonflikte mit Kroatien, als auch das nach vielen Interventionen gescheiterte Staudammprojekt, das all diese Schönheiten im Wasser versinken hätte lassen, sind nun hoffentlich vom Tisch. Für uns ist Martin Brod, ein noch unentdecktes Naturjuwel!

Wir machen uns auf den Weg nach Zentralbosnien. Kurz vor Jaice lassen wir uns von Drako, der viele Jahre in Deutschland gelebt hat, kulinarisch verwöhnen, dürfen auf seiner Wiese übernachten, ja sogar Dusche und Toilette nutzen, so sieht bosnische Gastfreundschaft aus!
Ein ganz authentischer Ort sind die alten Wassermühlen von
Mlinčići.
Die durch kleine Stege verbundenen Holzhütten stammen noch aus der Zeit der österreichisch-ungarischen Herrschaft und wurden direkt an den kleinen Bächen erbaut

Die hier lebenden Bauern stellten in den durch das durchfließende Wasser betriebenen Mühlen aus Weizen Mehl her. Heute sind die Mühlen nicht mehr in Betrieb, dafür hat man mit dem angrenzenden Wald und dem Plivsko-See herrliche Ausblicke, Bade -und Wandermöglichkeiten.
Nur einen Katzensprung weiter erreichen wir
Jajce
Die Stadt war Königssitz Bosniens und 1943 Gründungsort der Volksrepublik Jugoslawien .
Neben der netten Altstadt und dem Burgberg ist der mitten in der Stadt gelegene Pliva- Wasserfall das Highlight.
Auf unserer weiteren Strecke nach Sarajewo fahren wir durch herrliche Naturlandschaften mit hohen Bergen und wundervollen Ausblicken.

Sarajevo
Geprägt von seiner Geschichte ist sie heute eine der tolerantesten Städte in ganz Europa – kaum eine Stadt vereint östliche und westliche Werte auf so friedliche und eindrucksvolle Weise wie Sarajevo. Als Regierungssitz von Bosnien und Herzegowina entwickelt sich die Hauptstadt, die gerade einmal knapp 300.000 Einwohner beherbergt, in den letzten Jahren zu einer aufstrebenden Stadt. Wir meinen sie ist eine der unterschätztesten Hauptstädte Europas.
Die Altstadt mit dem türkischen Namen Baščaršija ist Programm: Beim ersten Durchschlendern der malerischen Gässchen haben wir eher den Eindruck im Orient zu sein. Unzählige Handwerksläden, kleine süße Cafés mit Sitzplätzen im Freien und bunte Basare mit Marktständen voller glitzerndem, in Gold und Kupfer glänzendem Schmuck säumen die Straßen. Mittelpunkt ist der Sebilj-Brunnen um den sich mehrere Moscheen gruppieren.
Aber auch die neugotische Kathedrale ist beeindruckend.
Wir entdecken auch einige der über 200 „Rosen von Sarajevo“:

Zum Gedenken an die vielen Todesopfer im Krieg sind die Einschlagkrater der Granaten mit rotem Harz ausgegossen worden und dienen allerorts als Mahnmal.
Natürlich besuchen wir auch die Lateinerbrücke, in deren unmittelbarer Nähe sich 1914 das folgenschwere Attentat auf den österreichischen Thronfolger ereignete.
Da unser sehr angenehmer Stellplatz in der Nähe des Sarajewo Tunnels liegt, besuchen wir auch diesen.
Der Tunnel war während des Bosnienkrieges die einzige Verbindung in und aus der belagerten Stadt. Über ein halbes Jahr lang haben die Menschen mit großem Einsatz gegraben um unter dem Flughafen einen Zugang zur Stadt zu erlangen. In dem engen, mehrerer hundert Meter langen Schacht wurden dringend benötigte Hilfsmittel befördert und ein Fluchtweg aus der über Jahre belagerten Stadt geschaffen.
Ein Ort, an dem man der jüngsten Geschichte sehr nahe kommt.
Sarajewo hätte noch viel mehr zu bieten, leider müssen wir unsere Reise fortsetzen.
Die Strecke von Sarajewo nach Mostar ist landschaftlich besonders reizvoll. Da das Autobahnnetz in Bosnien- Herzegowina noch sehr wenig ausgebaut ist, kann man auf der Bundesstraße die Naturschönheiten noch richtig genießen.
In Mostar
stehen wir auf einem ganz besonderen Stellplatz direkt im Stadtzentrum. Freundlichst werden wir begrüßt und auf die entzückende Terrasse mit Blick auf DIE Brücke geführt.
„Stari Most“ bedeutet „alte Brücke“. Sie verbindet seit ihrem Bau im Jahr 1566 nicht nur die beiden Stadtteile über den Fluss Neretva hinweg miteinander, sondern gilt auch als wichtige Verbindung zwischen den in Mostar lebenden Kulturen.
Als 1993 die Stari Most im Bosnienkrieg zerstört wurde, war Mostar wieder durch den Fluss getrennt, sie war nicht mehr eins. Die Kroaten lebten im westlichen Teil der Stadt, die Muslime fortan abgeschieden auf der östlichen Seite des Flusses.
Zehn Jahre später begannen nicht nur die Aufbauarbeiten an der Brücke, auch die Distanz der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen wurde wieder geringer. Heute ist die Brücke ein Symbol der Wiedervereinigung und die Stadt einer der Touristenmagnete des Landes.
Auch wir konnten uns nicht satt sehen an diesem Bauwerk und beobachteten die tollkühnen Brückenspringer.
Ein Bummel durch die tagsüber mit Touristen überfüllte Stadt ist etwas mühsam, schön wird es hier abends, wenn die Tagesgäste weg sind. Das gesellige Zusammensitzen mit Gleichgesinnten mit gutem Austausch und Blick auf die erleuchtete Stadt war ein absolutes Highlight.
Unser Tipp : Besteigt das Minarett auf der muslimischen Seite, der Aufstieg lohnt sich: von dort hat man einen 360 Grad Rundumblick auf diese reizende Stadt.
Ebenso genossen haben wir das Frühstück im Restaurant Urban - ebenfalls mit bestem Blick auf die Neretva und die Brücke - so chillig bevor sich die Stadt wieder mit Gästen füllt.
Nur wenige Kilometer außerhalb der Stadt liegt Blagaj, ein ganz besonderer Ort.

Hier entspringt die Buna-Quelle, die stärkste Karstquelle Bosniens. Pro Sekunde fördert sie beeindruckende 43.000 Liter zu Tage. Das Wasser entspringt direkt am Höhlenmund der 200m hohen Felswand. Das hat bereits im 16. Jahrhundert einen türkischen Sultan so begeistert, dass er hier eine Tekja, ein Kloster für einen Derwisch-Orden, erbauen ließ.
Entlang des pittoresken Flusses gibt es diverse Restaurants und schöne Camps. Wir entschließen uns hier den Tag ausklingen zu lassen, in einem gepflegten parkähnlichem Gelände am Fluss stehen wir ganz alleine, genießen die Ruhe und lassen uns mit Fischen aus eigener Zucht verwöhnen.
Auf dem Weg zu unserem letzten Ziel in der Herzegowina nähern wir uns bereits der Adria, die Landschaft und Vegetation wird deutlich mediterraner. Auch die Dörfer verändern sich, statt Minaretten sehen wir wieder Kirchtürme .

Kravicafälle

Die Wasserfälle stürzen über 30 Meter die grün bewachsenen Tuffsteinfelsen am Trebizat-Fluss herab und bilden ein natürliches Amphitheater, das sich über fast 120 Meter Breite erstreckt, während sich der Fluss in mehr als ein Dutzend Wasserfälle aufteilt, die in den unterhalb gelegenen See münden. Besonders faszinierend ist hier die üppige und sehr mediterrane Vegetation. Ich bin nicht zu halten, endlich ein Wasserfall, in dem man auch baden kann!
Mit diesem Highlight geht unsere Bosnienreise zu Ende. Wir überqueren die kroatische Grenze und mit einem Übernachtungsstopp in dem uns ans Herz gewachsene Skradin geht es über die kroatische Autobahn Richtung Heimat.
Im Folgenden noch eine Fülle an Infos, für all jene, die Lust bekommen haben, dieses facettenreiche Land ebenfalls zu besuchen:
Wie immer geben wir hier unsere ganz subjektiven Eindrücke wieder.
Fazit:
Selten hat uns ein Land so positiv überrascht.
Sowohl die landschaftlichen Schönheiten (da sagen Bilder mehr als viele Worte!), vor allem aber die Sauberkeit und die Gastfreundschaft der Menschen haben uns beeindruckt. Selbst in ärmlichen Regionen ist das Eigentum der Menschen gepflegt, nirgendwo haben wir die sonst am Balkan üblichen „schmutzigen Ecken“ gesehen.
Die Offenheit und das Interesse der Menschen an ausländischen Gästen ist groß.
Das Preisniveau liegt deutlich unter unserem oder dem Kroatiens. Während man in Plitvice oder bei den Krka Wasserfällen (Kroatien) Eintrittspreise um die 40 Euro p.P. berappt, sind es hier Eintrittspreise deutlich unter der 10 Euro- Grenze! Ebenso sind die Preise in Restaurants und in Geschäften rund um die Hälfte günstiger als bei uns.
Straßenzustand:
Es gibt kaum Autobahnen, die Landstraßen sind in gutem Zustand bei relativ geringer Verkehrsdichte - mit Ausnahme von Sarajevo. Kleine Straßen, besonders im Una Nationalpark, sind schmal und teilweise noch Schotterstraßen.
Es gibt bei den Brücken keine Gewichtsbeschränkungen, ein Umstand der uns bei einigen Brücken- aufgrund ihres Zustands- etwas nervös gemacht hat.
Ebenso hat uns das Fehlen jeglicher Umleitungen vor Baustellen in so manche "Zwickmühle"geführt.

Es gibt viele Radarkontrollen und auch immer wieder Polizeikontrollen. Das Überschreiten der Höchstgeschwindigkeiten ist auf Grund der Strassenführung aber nicht oft möglich. Der Treibstoff ist günstiger als bei uns.
Währung:
Konvertible Mark, in den touristischen Regionen werden auch Euro akzeptiert, Bankomaten gibt es überall
Sicherheit: Wir haben uns überall und zu jeder Zeit sehr sicher gefühlt.
Telefonieren:
Da Bosnien kein EU Mitglied ist, muss für Telefon/ Internet eine bosnische SIM- Karte gekauft werden: Für die 10GB Karte zahlt man10 Euro. Im Grenzgebiet zu Kroatien kann der Empfang schlecht sein, ansonsten gute Netzabdeckung.
Die Mehrzahl der Touristen kommt aus arabischen/ muslimischen Staaten.
Wir haben den Eindruck, dass der Tourismus sehr forciert wird, bei den Sehenswürdigkeiten wird die teilweise noch fehlende Infrastruktur verbessert.
Unsere Übernachtungsplätze:
( unter diesen Namen in Google Maps zu finden)
Kamp Klokot
Lunch&Bar bei Jajce
Sarajevo Camping Aerea
Mostar Autocamping Old Bridge
Buna Restaurant Camp Laks
Es gibt eine große Anzahl an privaten Camps, Übernachtungspreis zwischen 10 und 20 Euro.
Old Bridge Camping in Mostar 40 Euro/ Nacht, aufgrund der Lage und Ausstattung jeden Cent wert- uns wurde sogar das Auto gewaschen!
Die Übernachtungsmöglichkeiten für Nichtcamper sind noch ausbaufähig, auch hier gibt es private Vermieter, die sich über jeden Gast freuen.
Bosnien bietet so viel, da ist für jeden das Richtige dabei, wir kommen sicher wieder.
Wegstrecke ab Baden bei Wien : 1950 km
Reisedauer: 9 Tage
Sehr schön geschrieben, und ich kann nur zustimmen. Sind dieses Jahr wieder da gewesen mit ein wohnmobil.
Es ist mein lieblings Land. Es gibt so viele versteckte schönevOrte. Die Menschen dort sind so liebevoll und hilfsbereit. 🥰🥰🥰🥰🇧🇦🇧🇦🇧🇦🇧🇦
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Toller Beitrag... das behalten wir mal im Auge als mögliches Ziel!